Gründung / Geschichte

1946 / Am 21. Februar findet die Gründungsversammlung der Arbeitsgemeinschaft im Kieler Thaulow-Museum statt. Im Sitzungssaal der Landesbauernschaft sind die Vertreter der Bauämter der Landkreise und Städte der Provinz Schleswig-Holstein und des Oberpräsidiums (dem Vorläufer der späteren Landesregierung) vertreten. Weiterhin vertreten sind Architekten und Ingenieure, die IHK, die Staatsbauschule Eckernförde und die Heimstätte Schleswig-Holstein (Vorläufer der späteren Wohnungsbaukreditanstalt und heutigen Investitionsbank Schleswig-Holstein). Die Aufgaben, die sich der Verein stellte, waren die Entwicklung von Behelfsbauweisen zur Beseitigung der dringendsten Wohnungsnot und Aufbau einer Bauwirtschaft, die Förderung des Lehmbaus und der organisierten Gruppenselbsthilfe.

1947 / Im Oktober wird die Verlagstätigkeit der ARGE aufgenommen. Es erscheint Band 1 der Reihe Bauen in Schleswig-Holstein "Die Lehmbauordnung Schleswig-Holstein".

Die Typenplanungen für Gebäude, Grundrisse und Bauteile ("SH-Bauformen") des geförderten Wohnungsbaus durch die ARGE werden bereits 1947 aufgenommen. Der Anteil der durch die ARGE typisierten Gebäude und Bauteile beträgt bis weit in die 70er Jahre im Durchschnitt mehr als 90% des gesamten Bauvolumens in Schleswig-Holstein. Die Typenplanungen werden bundesweit, überwiegend auch für nicht öffentlich geförderte Häuser, übernommen und sind bei zahlreichen Bauvorhaben in der Bundesrepublik Deutschland zu finden. Die Typisierung wird bis zum Jahr 1996 erfolgreich eingesetzt.

1948 / Im Januar erscheint das erste Mitteilungsblatt der ARGE: "Was wir wollen"

1949 / Das Sonderprogramm ("ERP-Programm") "10.000 Flüchtlingswohnungen" wird im Oktober als das entscheidende Förderprogramm des Bundes aus so genannten "Marshallplan-Geldern" aufgelegt. Die Vertretung der ECA (Economic Corporation Administration = Verwaltung für wirtschaftliche Zusammenarbeit), die für das ERP (European Recovery Program = Europäisches Wiederaufbauprogramm) zuständig war, legt ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm auf. Wegen der großen Flüchtlingszahl und der ganz besonders hohen Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein und der Tatsache, dass die Vorbereitungen für den Wohnungsbau in Schleswig-Holstein durch die ARGE weiter als in den anderen Bundesländern vorangetrieben waren, wurde das Bundeswohnungsbauprogramm der ECA in Schleswig-Holstein begonnen. Dieses Programm wurde von der im Jahr 1949 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für produktive Flüchtlingshilfe e.V. vorbereitet, zentral in Kiel organisiert und setzte die Typenplanungen der ARGE in 84 Bauvorhaben um. Das Pilotprojekt "10.000 Flüchtlingswohnungen in Schleswig-Holstein" kennzeichnet als erstes Pilot- und Demonstrativbauvorhaben den Beginn der sozialen Wohnraumförderung in Deutschland.

1950 / Die ARGE wird in den ständigen Bauforschungsbeirat des Bundesministeriums für den Wohnungsbau als anerkannte Bauforschungseinrichtung in Deutschland berufen und setzt die Bauforschungstätigkeit kontinuierlich bis heute fort.

Der 1. Bauforschungsauftrag der Bundesregierung datiert auf den 24.05.1949: "Einbau fertig gestrichener Fenster und Türen und deren Fertigungen".

1952 / Die Miteinführung des Dachflächenfensters in Deutschland ("VELUX-Fenster"; 1968 folgt dann mit dem "Roto-Wohndachfenster" auch die weltweit erste Klapp-Konstruktion.) kennzeichnet den Innovationsauftrag in der Satzung der ARGE. Es folgen bis heute zahlreiche neue Baustoffe, Produkte, Baumethoden, später Innovative Dämmtechniken und technische und energetische Standards, die durch die ARGE begleitet, auf Praxistauglichkeit hin untersucht und zur Diskussion gestellt werden.

1956 / Die ARGE ist Mitbegründer des Norddeutschen Baumarktes in Neumünster der heutigen NordBau. Der größten Baufachmasse in Norddeutschland und Leitmesse für Kommunaltechnik.

Die ARGE ist ständiger fachlicher Begleiter der NordBau, jährlich finden Lehr- und Informationsschauen zu aktuellen Themen des Bauens statt, die inhaltlichen Schwerpunkte der NordBau werden durch die ARGE fachlich unterstützt.

1969 / Die schon viele Jahre durchgeführten Vortragsveranstaltungen der ARGE nennen sich fortan offiziell "Schleswig-Holsteinische Baugespräche" und werden bis heute jährlich vorab in einer landesweiten Koordinierungssitzung inhaltlich abgestimmt und vorbereitet.

1972 / Die ARGE wird als Rationalisierungsinstitut des Landes Schleswig-Holstein per Erlass anerkannt und installiert. Die obligatorische fachliche Begleitung des geförderten Wohnungsbaus in Schleswig-Holstein gehört nunmehr zu ihren festen Aufgaben. Bauwirtschaftliche und bautechnische Beratungen und Begleitung der Investoren, Qualitätssicherung im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein und gleichzeitig Evaluation der Kosten und der Ergebnisse kennzeichnen diese Tätigkeit. Die Aufgaben verändern und entwickeln sich im Laufe der Zeit. Immer stehen die zum jeweiligen Zeitpunkt geltenden Ansprüche an das Bauen und Wohnen im Vordergrund der Betrachtung: Rationalisierung am Anfang, kostengünstiger Wohnungsbau, wirtschaftliches Bauen, Energieeinsparung, Ökologie und Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klimaschutz – immer die jeweils zeitgemäßen Anforderungen.

1986 / Der Landesarbeitskreis Umweltfreundliches Bauen wird ins Leben gerufen. Unter Beteiligung der Fachleute des Landes, der Industrie, der Wirtschaft und der Hochschulen findet erstmals in dieser Qualität eine umfassende ökologische Bewertung von Konstruktionen und Baustoffen in Deutschland statt. Die Arbeit mündet in der Veröffentlichung "Ökologisches Bauen" von 1989, die in mehreren Ausgaben und mehreren Auflagen als Meilenstein und Standardwerk des ökologischen Bauens in Deutschland gilt. Die Veröffentlichung wird in einer Auflage von mehr als 40.000 Stück europaweit vertrieben.

1989 / Start des Förderprogramms "Ressourcensparendes Bauen und Wohnen", das um das "Niedrig-Energie-Haus-Programm" ergänzt wird. Bis zum Jahr 1999 werden mehr als 10.000 Wohngebäude gefördert, die bereits in einem Standard errichtet werden, der mit den gesetzlichen Anforderungen an Energieeinsparung und zulässigen Primärenergiebedarf des Jahres 2009 gleichzusetzen ist. Das Programm gilt als Vorbild für viele folgende Förderprogramme mit energetischen Zielsetzungen der Bundesrepublik Deutschland und anderer Bundesländer, die von den Erkenntnissen, Ergebnissen und Auswertungen dieses Programmes profitierten.

1998 / Beginn des Impulsprogramms "Wärmetechnische Gebäudesanierung Schleswig-Holstein" in Zusammenarbeit mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein. Beratungen über die Möglichkeiten und Maßnahmen zur energetischen Verbesserung des Altbaubestandes werden in die Breite getragen, Fort- und Weiterbildungen der Fachleute werden initiiert, die gewerbliche Wohnungswirtschaft wird erreicht, für die privaten Bauherren und Verbraucher werden Informationsangebote organisiert.

2002 / Mit dem Netzwerk "Wohnberatung in Schleswig-Holstein" werden Beratungsangebote für neue Wohnformen, Wohnprojekte und innovative Wohnideen aufgegriffen. Mit dem "Leitfaden Gruppenwohnprojekte" erscheint ein bundesweit anerkanntes Standardwerk mit Handlungsempfehlungen zur Vorbereitung und Gründung von Wohnprojekten.

2009 / Der Klimapakt Schleswig-Holstein wird geschlossen. Die wichtigsten Verbände der gewerblichen, freien und privaten Wohnungswirtschaft vereinbaren freiwillig mit dem Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein ambitionierte Klimaschutzziele im Wohnungsbau. Die ARGE und die Investitionsbank Schleswig-Holstein sind ebenfalls Partner im Klimapakt.

2010 / Mit der ARGE-SH Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen GmbH hat die ARGE jetzt eine Tochter, die die traditionellen Tätigkeiten der ARGE: Kompetenz sowohl in der Theorie als auch in der Praxis zu haben, abrundet. Die ARGE SH GmbH steht für den operativen Geschäftsbetrieb, insbesondere die Qualitätsüberwachung vor Ort, Bau- und Wohnberatungen, Praxislösungen, Projektvorbereitung, Baubegleitung und vieles mehr.

2016 / 70 Jahre später:
Schleswig-Holstein war stets Innovationsmotor für den Wohnungsbau in Deutschland.

Ende der 1940er Jahre mit dem Beginn der Sozialen Wohnraumförderung in Schleswig-Holstein und Startschuss für den Bund und die Pilot- und Demonstrativbauvorhaben des Bundes der 50er, 60er und 70er Jahre. Später die in Schleswig-Holstein entwickelten innovative Konzepte, wie die vereinbarte Förderung, kommunale Wohnungsmarktkonzepte und strategische Kooperationsverträge.

Immer steht dabei das Konsens-Prinzip im Vordergrund - Einbeziehung aller Beteiligten: Bauwirtschaft, Wohnungswirtschaft und Wohnungsunternehmen, Kommunen, Nutzer, Planer, Landesregierung, Investitionsbank und ARGE. Ständiger Austausch, fortwährende Evaluation, Auswertung und Überprüfung des Erreichten, offene Diskussion und gemeinsame Weiterentwicklung bis zu einem optimalen Ergebnis. Auch in der Zukunft …